Ein einzelner WLED-Controller reicht für viele Projekte – aber sobald du mehrere Streifen in einem Raum, eine Treppenbeleuchtung mit getrennten ESPs oder gar eine ganze Wohnung in WLED tauchen lassen willst, möchtest du die Controller koordinieren. WLED bringt dafür gleich mehrere Sync-Verfahren mit, von der simplen Ein-Klick-Lösung bis zur professionellen DMX-Steuerung. In dieser Anleitung zeige ich dir, welcher Weg für welches Szenario passt – und wie du ihn konkret einrichtest.
Welche Sync-Methode passt zu welchem Ziel?
Methode 1: WLED UDP Sync – die Standardlösung
Die einfachste Variante: Alle WLED-Geräte schicken bei jeder Änderung (Effekt, Farbe, Helligkeit, Preset) ein UDP-Broadcast-Paket ins Netzwerk. Andere Geräte, die zuhören, übernehmen die Einstellung sofort. So entsteht ein Master-Slave-System – nur dass jedes Gerät sowohl Master als auch Slave sein kann.
So aktivierst du UDP Sync auf deinen Geräten:
- Auf jedem Controller im Webinterface auf Config → Sync Interfaces gehen.
- Im Bereich WLED Broadcast die UDP-Port-Nummer notieren – Standard ist 21324. Alle Geräte einer Sync-Gruppe brauchen denselben Port.
- Beim Sender (Master): unter Send notifications on die Auslöser anhaken (Direct change, Button press, Timed presets etc.).
- Beim Empfänger (Slave): unter Receive die gewünschten Optionen aktivieren (Brightness, Color, Effects, Segment options).
- Speichern – fertig. Ab sofort folgen alle Slaves dem Master.
Tipp: Im Hauptinterface gibt es oben einen Sync-Quick-Toggle (zwei kreisende Pfeile), mit dem du das Senden temporär ein- oder ausschalten kannst, ohne in die Settings zu müssen.
Sync Groups – mehrere Räume sauber trennen
Seit Version 0.13 gibt es 8 Sync-Gruppen. Damit kannst du mehrere unabhängige Sync-Inseln im selben WLAN betreiben, ohne dass die Wohnzimmer-Show das Schlafzimmerlicht stört. Jedes Gerät kann gleichzeitig in mehreren Gruppen senden oder empfangen:
So weist du Geräte den Gruppen zu: Im Sync Interfaces-Menü findest du je eine Reihe Checkboxen Send Group 1–8 und Receive Group 1–8. Aktiviere für jeden Controller die Gruppen, in denen er senden bzw. empfangen soll. Ein Master kann z. B. in mehreren Gruppen gleichzeitig senden, wenn er Geräte in unterschiedlichen Räumen koordiniert.
Stabilität verbessern: UDP Packet Retransmissions
UDP ist ein „verbindungsloses” Protokoll – Pakete können einfach mal verloren gehen, vor allem in vollen WLANs. Das äußert sich darin, dass ab und zu ein Slave eine Änderung verpasst. Die Lösung steckt direkt in WLED:
- In den Sync Settings bis zum Punkt UDP Packet Retransmissions scrollen.
- Wert von 0 auf 2 oder 3 erhöhen. Das bedeutet: Jede Änderung wird zwei- oder dreimal gesendet, mit kleinen zeitlichen Abständen.
- Höhere Werte sind selten nötig und erzeugen mehr Netzwerk-Traffic.
Zusätzlich solltest du in den WLAN-Settings den WiFi Sleep Mode deaktivieren – das verbessert die Reaktionszeit deutlich, kostet aber etwas mehr Strom.
Methode 2: Audio Sync – ein Mikrofon für viele Geräte
Wenn du Sound-Reactive WLED auf mehreren Controllern betreibst, brauchst du nicht an jedem ESP ein eigenes Mikrofon. Stattdessen nimmt ein einziger ESP32 das Audio auf und verteilt die analysierten Daten per UDP-Multicast an alle anderen Geräte. Wichtig: Audio Sync überträgt nicht die fertigen Animationen, sondern nur die Audio-Messwerte – jedes Gerät rendert seinen Effekt selbst und kann sogar einen anderen Effekt nutzen.
Audio Sync findest du im Webinterface unter Config → Sync Interfaces → Audio Sync:
- Master: Mode auf „Send” stellen, ein freies UDP-Port-Multicast-Setting wählen (Standard funktioniert meist).
- Slaves: Mode auf „Receive” stellen, denselben Port wie der Master verwenden.
- Nach jeder Änderung muss der ESP32 hardware-resettet werden – Save allein reicht nicht.
- Wichtig: Alle Geräte müssen die gleiche WLED-MM-Version nutzen, da die Audio-Pakete versioniert sind.
Tipp: Audio Sync ist nur in WLED-MM (MoonModules) verfügbar, nicht in der Standard-WLED-Version. Achte beim Flashen darauf, dass alle beteiligten Geräte die gleiche Sound-Reactive-Build nutzen.
Methode 3: Virtual LEDs – mehrere Streifen als ein logischer Strip
Manchmal willst du mehr als nur Synchronität: Du willst, dass ein Lauflicht über mehrere physisch getrennte Streifen hinweg fließt – etwa über drei Treppenpodeste oder eine L-förmige Wohnzimmer-Beleuchtung. Dafür gibt es Virtual LEDs via DDP oder Art-Net: Ein Master-Controller berechnet die Animation für alle LEDs und schickt die Pixeldaten in Echtzeit an die anderen Controller, die nur noch als „dumme Display-Treiber” fungieren.
So konfigurierst du Virtual LEDs:
- Auf den Remote-Controllern (die nur LEDs treiben) musst du nichts Spezielles einstellen – sie laufen mit normalem WLED.
- Auf dem Master gehst du zu Config → LED Preferences und fügst statt einer normalen LED-Ausgabe einen neuen LED-Bus mit Typ „DDP RGB (Network)” oder „Art-Net RGB (Network)” hinzu.
- Trage die Anzahl der LEDs sowie die IP-Adresse des Remote-Controllers ein.
- Wiederhole das für jeden weiteren Remote – jeder bekommt seinen eigenen Pixel-Bereich im logischen Strip.
- Speichern und neu starten. Ab sofort siehst du im Master-Webinterface einen einzigen großen Strip, der alle Remote-LEDs umfasst.
Wichtig: Der Master sollte ein ESP32 sein – ESP8266 schafft maximal etwa 300 LEDs in dieser Konstellation. Für maximale Performance ist Ethernet am Master ein riesiger Vorteil. DDP ist gegenüber Art-Net etwas effizienter, aber Art-Net ist weiter verbreitet.
Methode 4: Externe Steuerung via E1.31 / Art-Net
Wer es richtig professionell will, nutzt eine externe Lichtsteuerungs-Software wie xLights, LedFx, Madrix oder QLC+ und schickt die Daten per E1.31 (sACN), Art-Net oder DDP an mehrere WLED-Controller. So entstehen aufwändige Lichtshows mit Sequenzen, Timeline-Editor und Musik-Mapping.
Die Grundkonzepte:
- Eine DMX-Universe umfasst 512 Kanäle = maximal 170 RGB-LEDs (170 × 3 Kanäle).
- Du weist jedem WLED-Controller eine Start-Universe zu. Bei 600 LEDs auf einem Controller belegt er die Universes 1–4 (sequenziell).
- Der nächste Controller startet dann z. B. bei Universe 5.
- In WLED unter Config → Sync Interfaces → Network DMX Input wählst du den Modus (Multi RGB für Pixel-genaue Steuerung) und trägst Start-Universe + Start-Channel ein.
Empfehlungen für stabile Performance:
- Nicht mehr als 3 Universes (510 LEDs) pro ESP32-Output – sonst wird die Framerate knapp.
- WiFi Sleep deaktivieren, sonst gibt es Ruckler.
- Wenn möglich, Ethernet verwenden – Realtime-Protokolle sind sehr empfindlich gegenüber WLAN-Latenzen.
- Nicht mehrere E1.31-Quellen gleichzeitig auf einen WLED-Controller schicken – es gibt keine Prioritäts-Logik.
Vergleich: Welche Methode für welchen Anwendungsfall?
| Anwendungsfall | Empfohlene Methode | Aufwand |
|---|---|---|
| Mehrere Streifen sollen identisch reagieren | UDP Sync | Sehr gering |
| Mehrere Räume, jeweils eigene Show | UDP Sync mit Sync Groups | Gering |
| Sound-Reactive auf vielen Geräten | Audio Sync (WLED-MM) | Mittel |
| Effekt fließt über mehrere physische Streifen | Virtual LEDs (DDP) | Mittel |
| Choreografierte Lichtshow zu Musik | E1.31 + xLights | Hoch |
| PC-Bildschirm-Ambilight auf vielen Streifen | DDP + LedFx oder Hyperion | Mittel |
Häufige Probleme und Lösungen
- Slaves übernehmen nichts: Auf beiden Seiten denselben UDP-Port und dieselbe Sync-Gruppe gesetzt? Beim Master müssen Send-Optionen aktiviert sein, beim Slave die Receive-Optionen.
- Manche Slaves übernehmen sporadisch nicht: WLAN-Verluste. UDP Packet Retransmissions auf 2–3 erhöhen.
- Effekte laufen leicht versetzt auf den Slaves: Normal bei UDP Sync – die Animationen werden auf jedem Gerät neu gestartet, nicht zeitsynchron berechnet. Für absolut synchrone Frames Virtual LEDs (DDP) nutzen.
- Stuttering bei Realtime-Modi (E1.31, DDP): WiFi Sleep deaktivieren, Geräte näher an den Router stellen, idealerweise Ethernet nutzen.
- Sound Sync funktioniert nicht: Master und alle Slaves müssen WLED-MM in derselben Version laufen haben. ESP32 nach jeder Änderung hardware-resetten.
- Bestimmte Slaves reagieren nur auf manche Änderungen: Im Receive-Bereich sind nur ausgewählte Optionen aktiv. Aktiviere alle gewünschten Kategorien (Brightness, Color, Effect, Segment options).
- Sync funktioniert im AP-Modus nicht: Korrekt – Sync braucht ein gemeinsames lokales Netzwerk. Beide Geräte müssen im selben WLAN sein.
Fazit
WLED bietet für jedes Ausmaß die passende Synchronisationslösung. Für 90 % aller Heimanwender reicht der eingebaute UDP Sync mit Sync Groups – einmal eingerichtet, läuft er zuverlässig im Hintergrund und kostet keinen Cent mehr. Wer eine durchgehende Lichtinstallation über mehrere Controller möchte, greift zu Virtual LEDs via DDP. Und wer eine richtige Show inszenieren will, ist mit E1.31 und xLights oder LedFx auf der Profischiene unterwegs. In allen Fällen gilt: Ein stabiles WLAN ist die wichtigste Zutat – wer es ernst meint, gönnt seinen WLED-Geräten einen eigenen Access Point oder gleich Ethernet.
Im nächsten Beitrag dieser Reihe binden wir das fertig synchronisierte WLED-Setup in Home Assistant ein und bauen Automationen mit Tageszeit, Bewegungsmelder und Sprachsteuerung.